26.05.2026 - Oh du schöne Kaiserzeit
Eine kleine Betrachtung über Bier in Paraguay
Nicht nur bekennende Biertrinker wissen oder ahnen, daß dieses Getränk ein Geschenk der Götter ist. In der griechischen Mythologie ist es Demeter, die den Menschen den Gerstensaft bringt, in der germanischen Mythologie gibt es eine ganze Geschichte über die Suche von Thyr und Thor nach dem gestohlenen Braukessel.
Das Nationalgetränk Paraguays ist zwar nach wie vor der Tereré genannte kalt getrunkene Matetee, aber Bier nimmt gleich danach einen sehr hohen Stellenwert ein. Wie auch in Deutschland gibt es neben teils sehr teuren Marken auch günstigere, allerdings hier seit fast einem Jahr kaum noch.
Wie schon in Deutschland bevorzuge ich, Michael, die günstigeren Marken. Erstens, da sie gut schmecken und zweitens, da oft nur der Aufdruck den Unterschied zu teureren Marken macht. Lange Zeit bekamen wir in Concepción Dosenbier der Marke Polar. Eines der ganz wenigen Biere mit Halbliter (genauer 473ml) Dosen, zuletzt für einen Literpreis von 6.000 Gs, also rund 0,80€. Für den Preis einer solchen großen Dose bekam man andere Marken gerade mal in 350ml Dosen. Plötzlich, vor fast 1 Jahr, war diese Marke aus den Regalen der wenigen Supermärkte verschwunden, die es vorher führten und nach einer kurzen Phase des Preisanstiegs anderer Marken in 350ml Dosen führte selbst der riesige Fortis nur noch die kleinen 269ml Dosen. Die Preise pro Dose änderten sich allerdings nicht.
Die, bei unserer Ankunft damals, ersten günstigeren Biersorten, die uns hier in Paraguay begegneten, waren Brahma und Pilsen der einheimischen Brauerei CERVEPAR, beide in unterschiedlichen Verpackungsformen. Schon damals entschieden wir uns für die 960ml Glas-Pfandflaschen. In Asunción mußten wir glatte 9.000 Gs dafür hinlegen (ohne Pfand), daher waren wir froh, später in Emboscada einen Laden zu finden, wo es nur 7.500 Gs kostete. Carmen staunte nicht schlecht, als sie in Loreto Läden fand, die auch heute noch 7.500 Gs, also ungefähr 1,-€ dafür verlangen. Selbst in unserer kleinen Despensa kostet es nur 8.000 Gs.
Ich war bei meinem letzten Concepción Besuch (vor 2 Monaten) freudig erstaunt, ein Sonderangebot zu finden der Marke Kaiser, 12 Dosen à 350ml für sagenhafte 26.000 Gs. 12 Pakete lud ich dem mit Futtersäcken sowieso schon überladenen Motocarro noch auf und ächste damit im wahrsten Sinne des Wortes nach Hause. Bei der kleinsten Steigung mußte ich 1-2 Gänge zurückschalten und eine grobe Überschlagsrechnung im Geiste ergab dann auch, daß die 300kg Zuladung mit deutlich mehr als 400kg ein wenig überschritten war. Kein Wunder also, daß es schnaufen mußte, aber es ist ein echtes Arbeitstier und wir sind stolz darauf.
Nun ist die schöne Kaiserzeit zu Ende und auch das Hühnerfutter wird zusehends weniger. Bleibt zu hoffen, daß beim nächsten Besuch in Concepción einer der angefahrenen Läden wieder ein ähnliches Angebot hat und dann noch Ladungskapazität vorhanden ist.
Abschließend kann man sagen, daß auch hier offenbar über die Lebenshaltungskosten dafür gesorgt wird, daß die Menschen mit etwas offeneren Augen durch die Welt gehen. Der diesjährige 1. Mai hat sicherlich so mancher Familie die Lust auf das klassische Asado mit Rinderrippchen gründlich versaut. Da hilft sicher auch der gut gemeinte Tip, auf Schweine- oder Hähnchenfleisch oder gar auf Würstchen umzusteigen nicht so wirklich weiter.


