30.08.2020 - Feuer auf dem Grundstück

Am 28.08.2020 saßen wir gegen 18:00 (Paraguay-Zeit) am Computer und arbeiteten an einem unserer Web-Server. Außerdem verfolgten wir mit Spannung die Ereignisse in Berlin, wo gerade der 29.08. begann (6 Stunden Zeitdifferenz). Plötzlich hörten wir ein uns wohlbekanntes knistern. Es ist hier üblich, Felder und Weiden durch Feuer zu "bereinigen". Damit kann man sie dann oft auch gleich erweitern, falls noch ein paar Bäume im Weg stehen. Wie immer schauten wir natürlich vorsichtshalber nach und bekamen einen riesen Schreck, denn es brannte bei uns, keine 100m vom Haus.

Oestliches Feld

Schon seit einiger Zeit sind wir dabei, neue Wege anzulegen und an einigen Stellen dem fast unkontrollierbar wuchernden Gras Herr zu werden, da wir jederzeit befürchteten, eine der angrenzenden Weiden könnte auf diese Weise "limpio" (sauber) gemacht werden. An dieser Stelle grenzt das Grundstück aber an die Sandstraße und hier hatten wir keine Angst.

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Anfänglich war es noch auf wenige Hundert Quadratmeter begrenzt und wir hatten auch in der Nähe einen Weg, der aber leider auch schon wieder überfällig war, bearbeitet zu werden. Wir versuchten es allein dort aufzuhalten, doch bis wir mit Wasser vom Haus dort waren und einen Schlauch ausgerollt hatten, der leider nur 50m lang war, hatte sich das Feuer bereits seinen Weg über den selben gebahnt und hatte nun jede Menge Nahrung. Es fraß sich alles andere als langsam auf unser Haus zu und auch immer weiter auf das Grundstück. Wir riefen unsere einzigen Nachbarn, aber schon nach kurzer Zeit hatten wir hier bis zu 20 "Helfer". Viele packten wirklich kräftig mit an und versuchten, mit Wasser und den unterschiedlichsten Patschen das Feuer einzudämmen.

Nach einiger Zeit war die Gefahr für unser Haus gebannt und das Feuer bewegte sich in die entgegengesetzte Richtung. Der Besitzer der dort angrenzenden Weide war ebenfalls hier und meinte, wir sollen alles ganz ruhig sehen, ihn stört es nicht, wenn es dort brennt. Eine Baum- und Gebüschreihe trennt hier die untere feuchte Wiese von der oberen, die wir die "Prärie" nennen. Als alles, was auf dieser Seite des Gebüsches war gelöscht wurde, atmeten wir erstmal auf.

Grassflaeche

Zwischenzeitlich kamen auch fünf Feuerwehrleute der Forstbehörde und schauten sich den Brand an. Da wir in das Gebiet, wo jetzt das Feuer tobte, noch nie gekommen sind, gab es auch keine Wege dorthin. Nachdem sie mit dem Auto soweit wie möglich gefahren waren, ging es nur noch zu Fuß weiter, was gar nicht so einfach ist. Tritt man auf das Gras, so läuft man meistens ca. 50cm über dem Boden auf einem dicken Teppich, aber eben nur meistens. Ohne es zu sehen tritt man auf eine weniger dichte Stelle und landet eben deutlich tiefer, das kann dann schon mal bös ausgehen, vorallem wenn man noch etwas in den Händen hat oder einfach übermüdet ist.

Während die Forstleute noch arbeiteten, machten wir einen großen Fehler. Aus Deutschland gewohnt, daß es danach erstmal einen Schnaps gibt, gaben wir natürlich auch einen unseren Nachbarn und Helfern aus. Wenn allerdings von 20 Leuten nur zwei mehr als einen kleinen Schluck nehmen, dann kann das verheerende Folgen haben. Als wir etwas später nochmal einen Kontrollgang machten, sahen wir, wie sich unser hellgelber (!!!) Betonmischer im Richtung Zaun bewegte. Ein kurzer Ruf genügte, eine dunkle Gestalt huschte weg und wir konnten ihn wieder in Sicherheit bringen. Für uns war dies ein Dejavue-Erlebnis, denn vor vielen Jahren torkelte nachts ein laut singender stockbesoffen durch unseren Garten, nahm die Leiter vom Kirschbaum und zog damit ab - an der Bushaltestelle mußte er sie aber stehen lassen, sie war ihm wohl zu schwer.

Den Betonmischer konnten wir also noch retten, aber bis heute haben wir allerdings unsere schöne Eisenschaufel nicht wieder gefunden, mit der einer der Helfer gearbeitet hatte. --- Update: 08.09.: Wir haben unsere Schaufel wieder, sie lag gut versteckt im Gras, welches nicht abgebrannt war.

Gegen Mitternacht gaben die Forstleute auf und rückten ab, denn das Feuer war mittlerweile in einen Bereich gewandert, der sehr feucht ist und an vielen Stellen durch Massen von wilden Ananas absolut unpassierbar. Hier waren wir schon früher gescheitert. Es sah alles so aus, als ob wir nur den Bereich verlieren, der uns sowieso nicht zugänglich war. Hier gab es zwar einige Bauminseln, aber das meiste war Grasland. An Schlaf war zwar nicht zu denken, uns war eher zum Heulen zumute, wie wir tatenlos zusehen mußten, wie hunderte von jungen Bäumchen zusammen mit dem Gras in Flammen aufgingen. Wir blieben vor dem Haus sitzen und verfolgten betrübt den Lauf des Feuers.

Es war bereits gegen 2:00 Uhr, da sahen wir weit hinten einige kleine Flammen. 300m vom Haus und fast 100m davon durch hohes Gras ohne Weg, hatten wir nicht die geringste Möglichkeit, etwas zu unternehmen. Bis jetzt hatten wir auch gesehen, daß sich das Feuer gegen den Wind ausbreitet, also sahen wir keine akute Gefahr. Es dauerte nicht lange und es hatte sich durch eine schmale Stelle im Gebüsch gefressen und kam nun auf uns zu, obwohl sich der Wind nicht gedreht hatte. Total erschöpft starteten wir einige Versuche es einzudämmen, aber leider erfolglos.

Wir sahen eine Chance in unserem Weg, doch nun überschlugen sich die Ereignisse. Es lief auf Haus und Hühnerstall zu und gleichzeitig in Richtung Weg. Wir kamen nicht dagegen an, alles zu verteidigen, also entschlossen wir uns logischerweise für Haus und Hühnerstall. 10m vor dem Haus konnten wir diese Flammfront definitiv löschen, der Kampf um den Hühnerstall war da schon etwas hinterhältiger. Carmen hatte es geschafft, die direkte Flammfront zu stoppen, aber eine weitere kam im Bogen in die selbe Richtung.

Vor dem Haus

Nochmal Wassereimer in unwegsames Gelände schleppen mit den letzten Kräften und einem beschädigten Knie, denn ich war irgendwann unsanft in eines dieser Graslöcher getreten. Endlich war auch die zweite Flammfront gelöscht und wir konnten uns einigen kleinen Herden zuwenden, die immernoch brannten. Der Großtel hatte sich im Gebüsch totgelaufen. Wir sehen auf die Uhr, es ist 4:30 - irgendwie wundern wir uns nicht über unseren Zustand. Hellwach, aber alles schmerzt. Wir setzten uns total erschöpft hin und schauen einen Film. In der Ferne sehen und hören wir das Feuer, gegen das wir nun nichts mehr machen können. Es frißt sich nach Osten über eine weitere Grasfläche, auf der wir stolz viele kleine Bämchen entdeckt haben, immer weiter auf den angrenzenden Wald zu.

Es wird langsam hell, wir machen uns einen Kaffee und ein Schuß Caña muß auch rein. Gegen 7:00 gehen wir am oberen Zaun Kontrolle und bekommen einen neuen Schreck, denn es läuft wieder auf uns zu über eine Fläche mit viel Gestrüpp, aber leider auch trockenen Pflanzen. Wieder versuchen wir zu löschen, aber diesmal stehen einige Leute vor dem Tor, die schon abends dabei waren und die Polizei ist auch da. Geholfen haben die Polizisten nicht wirklich, aber sie waren freundlich und haben sich alles angeschaut, die Nachbarn halfen uns diesen Teil auch zu löschen.

Gegen Mittag war der Großteil des Feuers von unserem Grundstück weggewandert und tobte nun auf anderen Grundstücken. Wir haben eine erste kleine Runde gedreht und es ist wirklich witzig, daß das Einzige was noch grün ist, die gemähten Wege sind. Auch am Abend hören wir es noch knistern und sehen den Feuerschein. Wir gehen total kaputt, aber etwas besorgt ins Bett, aber wir haben es geschafft.

Gruener Weg

Im nächsten Artikel ziehen wir eine Bilanz des ganzen.

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